Stefan Lakatos


STEFAN LAKATOS UND VOLKER ZANDER


DO, 03. JUNI – 19:00 UHR
Stadtwerkstatt

Talk

Twice Upon A Time: Moondog’s Futurities

We grope with eyes wide open toward the darkness of futurity,
With faith in outermost instead of innermost security.
(Moondog)

Prähistorische Vergangenheit und posthistorische Zukunft, stoischer Konservatismus und modernismuskritischer Futurismus, skeptisches Insider- und selbstbewusstes Outsidertum fallen im Leben und Werk des blinden amerikanischen Komponisten Moondog (Louis Hardin, 1916–1999) auf besondere Art und Weise zusammen: Zum einen die Konzentration auf eine streng tonale, kontrapunktische Musik der klassischen europäischen Tradition, zum anderen direkte Berührungspunkte zu progressiven Strömungen im New York der 1950er und 1960er Jahre, zu Jazz-Avantgardisten, zur elektronischen Avantgarde, zum frühen Rock’n’ Roll, später zur Minimal Music, zu Hippie-Kommunarden und Weltmusik; einerseits der Eigenbau modularer Perkussionsinstrumente für nomadische Straßenmusik, eine auffallende selbstgeschneiderte Kostümierung als Wikinger und die konfrontative Hinwendung zur nordischen Mythenwelt, andererseits der Einsatz modernster Techniken und Vertriebsformen, von den ersten tragbaren Tonbandgeräten, zu Langspielplatten im Eigenverlag und später zum Sampler in der Musikproduktion. Moondog übersiedelte 1974 von New York nach Deutschland und konnte hier seine Arbeit an einer fundamentalen Musiksprache vertiefen. Möglich wurde diese späte Unabhängigkeit durch eine gastfreundliche und solidarische Stadtgesellschaften, besonders rund um die Kleinstadt Recklinghausen am Rande des Ruhrgebiets. In seinem Vortrag (in englischer Sprache) dessen Titel auf eines der berühmten Couplets von Moondog anspielt widmet sich Volker Zander Moondogs nachhaltiger Aktualität: „Machines were mice and men were lions once upon a time / But now that it’s the opposite, it’s twice upon a time“.

Stefan Lakatos
(* 1955) ist ein schwedischer Künstler und Musiker. In den 1980ern lernte er Moondog kennen und wurde sein enger Freund. Die Kultivierung und Verbreitung von Moondogs Musik ist seither ein wichtiger Teil seiner künstlerischen Arbeit. Besonders gilt das für Moondogs Perkussionsinstrument Trimba: Lakatos hat sowol das Instrument als auch die Spielweise geerbt. Er hat diese von Moondog direkt gelernt. Dieser hat ihn im Albumtext zur ersten LP des Bracelli String Project (1986) als „leading exponent of the Moondog method of drum playing“ bezeichnet. Sie haben in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet und viel Zeit in Deutschland und Schweden miteinander verbracht. Die Freundschaft bildete die Grundlage für Lakatos’ detailliertes Verständnis von Moondogs Leben und Werk. Bezugnehmend auf Stefan Lakatos’ Auftritt beim Moondog Rising Festival in New York 2007 beobachtete Dr. Robert Scotto “ (that he) recreates the original sound and subtle characteristics of this challenging music, conducting the ensembles from the Trimba rather than the podium – and thus introducing new generations to the work of Moondog as only he can do.” Etwas früher in diesem Jahr hatte Stefan Lakatos tatsächlich Moondogs Musik zurück in die heiligen Hallen der Carnegie Hall gebracht.

Volker Zander
ist Musiker und Betreiber des Schallplattenlabels Apparent Extent in Köln. Er arbeitet als Komponist, Musiker und Sound-Designer für Theaterproduktionen. Zudem entwickelt er für verschiedene Radiosender Hörspiele, Hörstücke und Feature, darunter eine Sendung zum ersten europäischen Konzert des amerikanischen Komponisten Moondog im Januar 1974 in Frankfurt am Main. Aus diesem Beitrag entwickelten sich eine Reihe von Vorträgen, Konzerten, Texten und eine Ausstellung zu Leben und Werk Moondogs (1916–1999), speziell zu seinen frühen Jahren in Deutschland. Auf seinem 2005 gegründeten Label Apparent Extent veröffentlicht Volker Zander Künstlerschallplatten und Publikationen bildender Künstlerinnen und Künstler. www.apparent-extent.com

Skills

Posted on

10. Mai 2016