Olaf Karnik


OLAF KARNIK


DO, 02. JUNI – 18:00 UHR
Stadtwerkstatt

Vortrag

Haunted by Hauntology – was wurde aus dem Potenzial der Gespenster?

Wo es um eine Thematisierung des Zukunftspotenzials von (Pop-)Musik geht, kommt man an Hauntology nicht vorbei – war dies doch die letzte „Bewegung“, die dieses Thema auch in seiner historischen Dimensionen erörterte.
Hauntology meint weniger ein Genre oder einen Stil als ein spezielles Konzept – und zählte vor ein paar Jahren zu den nachhaltigsten musikästhetischen Diskursen in Großbritannien. Wie von Jacques Derrida in seinem Buch „Marx’ Gespenster“ am Beispiel von Karl Marx veranschaulicht, lässt sich unsere Existenz am Anfang des 21. Jahrhunderts als eine durch das Heraufbeschwören von Geistern der Vergangenheit geprägte verstehen. Derridas Hauntology-Konzept wurde von Autoren wie Mark Fisher oder Simon Reynolds aufgegriffen, als Werkzeug gegen eine im „Nostalgie-Modus“ (Frederic Jameson) erstarrte Postmoderne konzipiert und auf eine Musik-Ästhetik bezogen, die im retrofuturistischen Sound Design des Ghost Box-Labels, in den nostalgischen Ambient Drones von Leyland Kirby (aka The Caretaker) oder den Dubstep-Balladen von Burial aufscheint. Dabei ging es nicht um Nachahmung, sondern um Reaktualisierung und Neukontextualisierung von Sounds, Spielweisen und Produktionsmethoden, die als radikale ästhetische Verfahren der Moderne an gesellschaftliche Utopien bzw. Zukunftsentwürfe und an häufig unrealisierte emanzipatorische soziale und politische Projekte geknüpft waren.

Olaf Karnik arbeitet vorwiegend als Autor, Journalist und Kritiker für Presse und Rundfunk (u.a. WDR 3, Neue Zürcher Zeitung, Deutschlandfunk, Spex). Er hat Bücher und Buchbeiträge über u.a. afroamerikanische Popmusik, Reggae in Deutschland und Musikvideos veröffentlicht, kuratiert Musik- und Vortragsveranstaltungen und ist seit 2009 als Dozent an verschiedenen Hochschulen tätig. Er spielte in mehreren Bands und legt seit 1985 Platten auf.

Skills

Posted on

10. Mai 2016