Drehli Robnik


DREHLI ROBNIK


FR, 03. JUNI – 16:30 UHR
Versorgungstunnel und Roboterkeller

Vortrag

Das Linzer Programm: Mad Max Adler und die Dickless Tastatur des Proletariats in film- und politiktheoretischer Zerstreuung

Das Proletariat droht heute… was? Zu verschwinden. Wohin? Auf der Fury Road Richtung Green Place? Doch eher ins Blaue? Droht das Proletariat mit Verschwinden in Form von Exodus? Mit Auswandern droht ja eher das Kapital. Den Einwandernden wiederum drohen die, die einst Proletariat waren (sofern sie nicht in biedermeierbegrünte Unruhezonen selbstverwertender Kreativität ausgezogen sind).
Vor 90 Jahren entdeckte Siegfried Kracauer die Fähigkeit proletarisierter Massen zur Wahrheit eines postorganischen Menschseins. Er nannte das “Zerstreuung”. Im selben Jahr 1926 entdeckte die österreichische Sozialdemokratie die Fähigkeit, der faschismusseligen Heimat und Heimwehr mit “Diktatur des Proletariats” zu drohen. Sie nannte das “Linzer Programm”. Das mit der Drohung war zwar ein Missverständnis von Diktatur (und generell von politischer Macht), aber ein Stück weit hatte sich Mad Max Adler, linker Kantianer unter laffen Kadern, durchgesetzt.
Mein Vortrag wird einige Probleme, die “Proletariat” und “Zukunft” (unsäuberlich) getrennt halten, aufwerfen und nicht mehr einfangen. Das geschieht mit Blick auf Zerstreuung als Sozial-Apriori, auf Marx, Macht, Masse und Mbembe, auf postpatriarchale Burschenherrschaft und künstliche Männer, auf Solidarität unter Ungleichen, auf taste und Tastatur, sowie auf proletarische Projektionen – von, mit und in Zukunft – in den einsichtsreichen Vorjahrs-SciFi-Filmen Ex Machina und Mad Max: Fury Road. (Noch ein schöner Name in Sachen Musik zur Zukunft mit M wäre Monobrother.)

Drehli Robnik ist Theoretiker in Sachen Film und Politik, Essayist, Gelegenheitskritiker und Edutainer. Er hat einen PhD von der Universiteit van Amsterdam (2007). Er ist Autor bzw. Mit-Herausgeber von Bänden zu Kracauer und Rancière, Kriegs- und Historienfilm, Stauffenberg und Cronenberg. Jüngste Bücher: Monografie Kontrollhorrorkino: Gegenwartsfilme zum prekären Regieren (2015), Monografie Film ohne Grund. Filmtheorie, Postpolitik und Dissens bei Jacques Rancière (2010); Herausgeber von: Siegfried Mattl: Die Strahlkraft der Stadt. Schriften zu Film und Geschichte (2016). Er arbeitet an Studien zur Politiktheorie des neueren Horrorfilms und zu Siegfried Kracauers Politik der DemoKRACy. Er “lebt” in Wien-Erdberg und ist in Teilen lesbar unter https://independent.academia.edu/DrehliRobnik

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Posted on

10. Mai 2016